MLT-Sampler Font
– Das Prinzip des Samplings auf Schrift übertragen
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit setzte ich mich mit den Themen Schrift und Musik auseinander. Dabei forschte ich nach wiederkehrenden genrespezifischen Gestaltungselementen und Übertragungsmöglichkeiten musikalischer Prinzipien auf Schriftdesign. Das erklärte Ziel der Arbeit war es, für eine fiktive Jazz-Rap-Band einen neuen Font zur Etablierung einer visuellen Marke zu designen.
Nach einer umfangreichen Recherche über die Hintergründe von Jazz- und Rapmusik und der Durchführung einer Online-Umfrage über Assoziationen verschiedener Fonts mit bestimmten Musikstilen konnte kein ausreichendes Maß an wiederkehrenden genrespezifischen Elementen in Schriftgestaltungen festgestellt werden.
Daher entschied ich mich, die Recherche auch auf andere Genres und Kunstrichtungen auszuweiten und suchte nach allgemeinen musikalischen Prinzipien, die auf eine visuelle Gestaltung übertragbar sind. So entstand die Idee, das Prinzip des Musik-Samplings auf Schrift zu übertragen.
Sampling ist seit jeher ein wesentlicher Bestandteil der Hip-Hop-Kultur, doch dieser Ansatz ist auch auf Jazzmusik projizierbar, die von Improvisation und der Kombination vieler unterschiedlicher, manchmal widersprüchlicher Elemente lebt.
So konnte durch das „Sampeln“ und Überlagern einzelner Glyphen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Fonts eine neue, eigene Ästhetik erzeugt werden. Dem daraus entstandenen Schriftstil gab ich den Namen Multi-Layer-Type (MLT).
Die Gestaltung wurde unter anderem von der Ästhetik dadaistischer Collagen beeinflusst sowie von den stilprägenden Arbeiten des britischen Künstlers Jamie Reid für die Punkband Sex Pistols. Um das Schriftbild zu vereinheitlichen und den sequenziellen Charakter von Sample-Musik zu visualisieren, wurde eine einzelne dünne (Noten-)Linie durch sämtliche Glyphen des Fonts gezogen. Damit kann das Schriftbild wie eine visuelle Rhythmus-Sequenz betrachtet werden, die einerseits technisch, jedoch durch die Vielfalt an überlagerten Glyphen zugleich lebendig und dynamisch anmutet.
Nach der Fertigstellung des MLT-Fonts suchte ich nach Möglichkeiten, die Grundidee des „Schriftsamplings“ weiter auszuschöpfen und den Nutzer*innen mehr Kontrolle und Individualisierungsoptionen für diese Art der Schriftgestaltung anzubieten.
Dabei orientierte ich mich an echten analogen sowie digitalen Audiosamplern. Diese bieten zahlreiche Optionen und Parameter zur Modulation, Manipulation, Zusammenstellung und Strukturierung von Audiomaterial.
Inspiriert hiervon entwickelte ich ein Interface für einen digitalen Font-Sampler (siehe Abbildung).
Schriftdateien könnten in eine solche Software eingespeist und auf mehreren Ebenen, ähnlich wie Audiosamples, nach bestimmten Parametern überlagert und manipuliert werden. Die Schriftlayer sind im Interface durch verschiedene Farben gekennzeichnet und können jeweils einzeln oder über den Master-Channel auch in Summe bearbeitet werden.